Chronik

Die Geschichte der AWO Schwaben

Die Arbeiterwohlfahrt in Deutschland entsteht aus den Ideen der Arbeiterbewegung. Die AWO wird am 13. Dezember 1919 auf Initiative der SPD-Reichstagsabgeordneten und Frauenrechtlerin Marie Juchacz gegründet – zunächst als „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt“.

 

1927 folgt die Gründung des Arbeiterwohlfahrt Bezirksverbands Schwaben durch Johann Leonhard Albrecht. Seine Nachfolge als Vorsitzender übernimmt 1928 Clemens Högg, die wohl bedeutendste Persönlichkeiten der AWO Schwaben.

 

Mit ihrer über 100-jährigen Geschichte gehört die Arbeiterwohlfahrt zu den ältesten Wohlfahrtsverbänden in Deutschland. Bis heute stehen dabei soziale Verantwortung, Solidarität und gesellschaftliche Teilhabe im Mittelpunkt.

 

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Meilensteine der AWO Schwaben

1927: Gründung

Nach der Gründung des Landesausschusses der bayerischen Orts-, Kreis- und Bezirksverbände im Jahr 1925 entsteht am 20. März 1927 in Augsburg der Bezirksverband Schwaben der Arbeiterwohlfahrt. Initiator der Gründung ist Leonhard Albrecht, der erster Vorsitzender wird. Die organisatorische Aufbauarbeit übernimmt zunächst die Augsburger Ortsgruppe der AWO. Nach dem frühen Tod Albrechts im Jahr 1928 übernimmt Clemens Högg den Vorsitz. Unter seiner Leitung entwickelt sich der Bezirksverband organisatorisch eigenständig gegenüber der Ortsgruppe Augsburg.

Stolperstein vor dem früheren Wohnhaus von Clemens Högg in der Augsburg

Clemens Högg - Gründervater

Clemens Högg gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Arbeiterwohlfahrt in Schwaben. Der SPD-Politiker wird 1880 in Bad Wurzach geboren und engagiert sich früh für soziale Gerechtigkeit und demokratische Werte. Gemeinsam mit Babette Zeeb gründet er 1922 die Augsburger Arbeiterwohlfahrt. In den folgenden Jahren unterstützt Högg die Entstehung zahlreicher AWO-Gliederungen in ganz Schwaben. Ab 1928 leitet er sowohl den Augsburger Ortsverein als auch den Bezirksverband Schwaben. Während der Zeit des Nationalsozialismus wird Clemens Högg verfolgt, 1939 in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert und 1945 im KZ Bergen-Belsen ermordet.

Vertreibung durch die Nationalsozialisten

1933 -1945: Verbot durch die Nationalsozialisten

Kürzer: Mit der Machtübernahme verbieten die Nationalsozialisten die Arbeiterwohlfahrt. Grundlage ist ein Erlass des Bayerischen Innenministeriums vom 29. März 1933. Die Organisation wird zerschlagen, Vermögen und Einrichtungen werden enteignet und in die NS-Volkswohlfahrt überführt. Viele Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt werden verfolgt oder verhaftet. Die soziale Arbeit der AWO in Schwaben kommt während dieser Zeit nahezu vollständig zum Erliegen.

1946/47: Neugründung

Kürzer: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlaubt die amerikanische Besatzungsmacht mit dem Wohlfahrtsmemorandum Nr. 2 vom 3. April 1946 erneut die Gründung von Wohlfahrtsverbänden in Bayern. Am 1. Januar 1947 gründet sich der AWO Bezirksverband Schwaben offiziell neu. Ehemalige Mitglieder und Ehrenamtliche beginnen erneut mit dem Aufbau sozialer Hilfsangebote in der Region.

1951: Umzug nach Stadtbergen

Nach der vorübergehenden Unterbringung im Gewerkschaftshaus in der Augsburger Schaezlerstraße 13 wird die Geschäftsstelle Mitte 1951 nach Stadtbergen verlegt, in das Jugendwohnheim in der Goethestraße 12. Nach der endgültigen Auflösung des Wohnheims in der 80er-Jahren wird das Gebäude zur Verwaltungszentrale umgebaut. Die Adresse ändert sich in Sonnenstraße 10.

Franz Xaver Sennefelder - erster Vorsitzende des Bezirskverbandes

Franz Xaver Sennefelder - Aufbau in der Nachkriegszeit

Kürzer: Der erste Vorsitzende nach der Neugründung ist Franz Xaver Sennefelder. Unter seiner Leitung entsteht das erste große Bauprojekt der AWO Schwaben: ein Jugend- und Ledigenwohnheim mit 100 Plätzen in Stadtbergen. Parallel entstehen weitere Jugendwohnheime in Kempten und Neuburg an der Donau – wichtige Einrichtungen für den Wiederaufbau sozialer Infrastruktur in Schwaben.

Alois Strohmeyer: 1951 bis 1986 ehrenamtlicher Vorsitzende des Bezirksverbandes Schwaben

1951: Alois Strohmayr übernimmt Vorsitz

Im Jahr 1951 sind dem Bezirksverband 23 Kreisverbände und 120 Ortsvereine angeschlossen, die Mitgliederzahl steigt auf über 4.000. Den ehrenamtlichen Vorsitz des Bezirksverbands Schwaben übernimmt der in der SPD engagierte Architekt Alois Strohmayr. Er prägt die AWO Schwaben über Jahrzehnte und übt dieses Amt bis 1986 aus.

Unterstützung von Bedürftigen - Verteilung von CARE Paketen

Folgejahre: AWO Schwaben wächst weiter

In den folgenden Jahren wächst die Arbeiterwohlfahrt Schwaben kontinuierlich. Besonders in ländlichen Regionen entstehen neue Ortsvereine und soziale Angebote. Ehrenamtliche engagieren sich für ältere Menschen, Familien und Bedürftige. Gleichzeitig baut der Bezirksverband wichtige soziale Einrichtungen auf – darunter Jugendheime, Seniorenheime, Kindergärten und Erholungshäuser.

Ab Mitte der siebziger: Essen auf Rädern

1970er-Jahre: Ausweitung der Aktivitäten

Ab den 1970er-Jahren erweitert die AWO Schwaben ihre sozialen Dienstleistungen deutlich. Neben Alten- und Pflegeheimen entstehen ambulante Hilfsangebote sowie Sozialstationen für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. 1974 entstehen erste Sozialstationen in Höchstädt an der Donau und Kaufbeuren-Neugablonz. Zusätzlich startet die AWO Schwaben den Dienst „Essen auf Rädern“ in verschiedenen Regionen.

Oktober 1973  eröffnet das Kurheim Schönau für Suchtkranke

Aufbau von Fachkliniken für Suchtkranke

Auch die Fürsorge von Suchgefährdete und Suchtkranke rückt in den Fokus der Tätigkeiten des Bezirksverbands. Mit den Fachkliniken Schönau (1973) und Legau (1977) schafft die AWO Schwaben spezialisierte Einrichtungen für suchtkranke Menschen. Darüber hinaus bilden Erholungsmaßnahmen für Kinder, Jugendliche, Mütter und Senior*innen von Beginn an einen Arbeitsschwerpunkt der AWO.

Dr. Heinz Münzenrieder: Ehrenamtlicher Vorsitzender des Bezirksverbandes Schwaben ab 1986

1986: Dr. Heinz Münzenrieder wird neuer Vorsitzender

Im Jahr 1986 übernimmt Dr. Heinz Münzenrieder den Vorsitz des Bezirksverbands und folgt damit auf Alois Strohmayr, der bis zu seinem Tod 1993 Ehrenvorsitzender bleibt.

Haus Wagenseilstraße in Kaufbeuren: Betreuung von chronisch psychisch-kranken Menschen

1980/90er-Jahre: Bildung und Gesundheitshilfe im Fokus

In den 1980er-Jahren baut die AWO Schwaben ihr Engagement in der Bildungsarbeit und Gesundheitshilfe aus. Ein eigenes Bildungswerk entsteht. 1988 übernimmt der Bezirksverband die Trägerschaft des Zentrums für Aidsarbeit Schwaben (ZAS) in Augsburg. Die Einrichtung unterstützt Menschen mit HIV und AIDS durch Prävention, Beratung und Betreuung. Weitere wichtige Projekte sind die Psychosoziale Beratungsstelle Memmingen sowie das „Haus Wagenseilstraße“ in Kaufbeuren für psychisch erkrankte Menschen.

2003: Gründung der AWO Service GmbH

Mit der Gründung der AWO Service GmbH professionalisiert die AWO Schwaben ihre Dienstleistungen weiter. Die Tochtergesellschaft übernimmt hauswirtschaftliche Dienstleistungen, Küchenbetriebe und Hausmeisterservices für Einrichtungen des Bezirksverbands.

2007: eine neue Organisationsstruktur wird in Kempten beschlossen

2008: Einführung Präsidiumsmodell

Im Rahmen der außerordentlichen Bezirkskonferenz 2007 in Kempten wird eine neue Organisationsstruktur des Bezirksverbands beschlossen und ab 2008 das sogenannte Präsidiumsmodell mit einem hauptamtlichen Vorstand eingeführt – als einer der ersten AWO-Verbände in Deutschland. Der fünfköpfige Verwaltungsrat bildet sich aus dem ehrenamtlichen Präsidium des Bezirksverbands heraus und ist das Kontrollorgan des Vorstands. 

Professionalisierung & Verzahnung von Haupt- und Ehrenamt

Ziel der neuen Organisationsstruktur ist die bessere Verzahnung von Ehrenamt und professioneller sozialer Dienstleistung. Gleichzeitig können Einrichtungen und soziale Angebote flexibler auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren.

Brigitte Protschka wird 2020 zur neuen Vorsitzenden gewählt

2020: Brigitte Protschka wird neue Vorsitzende

Auf der Bezirkskonferenz 2020 wird Brigitte Protschka zur Vorsitzenden des Präsidiums gewählt. Sie folgt auf Dr. Heinz Münzenrieder, der anschließend zum Ehrenvorsitzenden ernannt wird. Brigitte Protschka ist die erste Frau an der Spitze der AWO Schwaben. Unter ihrer Leitung entwickelt der Bezirksverband seine sozialen Angebote und die verbandliche Arbeit kontinuierlich weiter. Auf der Bezirkskonferenz 2025 wird Protschka im Amt bestätigt.

Flur der neuen Geschäftsstelle mit kreativer Wandgestaltung

2020 – 2022: Neubau Geschäftsstelle in Stadtbergen

Zwischen 2020 und 2022 entsteht in Stadtbergen die neue Geschäftsstelle des AWO Bezirksverbands Schwaben. Das Gebäude wird nach dem KfW-Effizienzhaus-55-Standard errichtet und verbessert die CO₂-Bilanz des Verbands deutlich.

2024: Stärkung innerverbandlicher Bildungsarbeit

Seit 2025 organisiert die AWO Schwaben ihre Bildungsarbeit wieder verstärkt innerhalb des Bezirksverbands. Nach der Auflösung des eigenständigen Bildungswerks bleibt die Förderung von Demokratie, Selbsthilfe und nachbarschaftlichem Engagement ein zentraler Bestandteil der Verbandsarbeit.

2025: Gründung des Ehrenrats

2025 gründet die AWO Schwaben zudem einen Ehrenrat. Diesem gehören verdiente, langjährige AWO-Mitglieder an. Unter dem Vorsitz von Dr. Heinz Münzenrieder begleitet das Gremium wichtige verbandliche Fragen und stärkt die Anerkennung langjährig engagierter Mitglieder.